E-Scooterdienste: Ein neues umkämpftes Spannungsfeld mit viel Nachhaltigkeitspotenzial?

E-Scooterdienste sind seit Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) im Juni 2019 im öffentlichen Verkehrsgrund Deutschlands zugelassen und haben sich seither in kürzester Zeit hochdynamisch entwickelt. Das gilt auch für das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Bei E-Scooterdiensten handelt es sich um elektrifizierte Tretroller, die im Zeichen von „Nutzen-statt-Besitzen“ (Wilde, 2023) für eine neue Form der Alltagsmobilität stehen. Sie werden i.d.R. in großen Flotten im öffentlichen Straßenraum von einem oder mehreren Anbietern meistens in festgelegten Geschäftsgebieten (oder manchmal auch an Stationen) angeboten und können von Usern mithilfe von entsprechenden Smartphone-Apps gegen eine Bezahlung zur Nutzung ausgeliehen werden. Dieser dynamischen Entwicklung von E-Scooterdiensten unterliegt eine intensiv geführte Kontroverse: Einerseits existieren fundamentale Bedenken und eine große Skepsis am Sinn der neuen E-Scooterdienste, andererseits wird ihnen eine große Bedeutung im Zeichen einer multimodalen Verkehrs- und Mobilitätswende weg vom Auto zugesprochen:

(1) Konflikte, Kritik & Skepsis: E-Scooterdienste ein umweltschädliches „Spaßverkehrsmittel“, das den Weg versperrt und zur Vermüllung der Siedlungsstrukturen beiträgt?

Auf der einen Seite ist die dynamische Entwicklung bei neuen E-Scooterdiensten nicht frei von Konflikten, Kritik und Skepsis: Eine zentrale Kritiklinie ist, dass der Beitrag von E-Scooter-Angeboten zur nachhaltigen und klimafreundlichen Transformation urbaner Mobilitätssysteme begrenzt sei, vor allem weil die neuen Angebote nur selten Autofahrten, vor allem aber Fußwege sowie Fahrten mit dem Rad und dem ÖPNV ersetzen. Da die Anbieter von E-Scooterdiensten ihr Angebot in großen Fahrzeugflotten anbieten, kommt es zudem innerhalb der verdichteten Siedlungsstrukturen zu vielfältigen neuen Konfliktfeldern: Widerrechtliches Fahren oder Abstellen auf Geh- und Fahrflächen oder in Privatbereichen sowie eine steigende Anzahl an Unfällen mit E-Scootern gehören zu den neuen alltäglichen Erfahrungen im städtischen Verkehrsalltag und tragen hier zu einem ambivalenten Verhältnis der Bevölkerung gegenüber E-Scooterdiensten bei. Die Liste von restriktiven Antworten ist vielfältig: Städte wie Paris oder Madrid haben vor diesem Hintergrund mit großer medialer Aufmerksamkeit auf städtischer Ebene bereits ein Nutzungsverbot erwirkt. Mitnahmeverbot von E-Scooterdiensten in den öffentlichen Verkehrsmitteln gilt in NRW. Und auch auf bundesdeutscher Ebene wird derzeit verstärkt über einen politisch-restriktiven Umgang mit den neuen E-Scooterdiensten diskutiert.

Kritische Darstellung von E-Scootern

(2) Transformationspotenziale und Pkw-Alternative: E-Scooterdienste ein Baustein für eine multimodale Alltagsmobilität?

Auf der anderen Seite werden E-Scooterdiensten in den öffentlichen Debatten immer wieder auch ein ausgesprochen hohes Potenzial mit Blick auf eine sozial-ökologische Verkehrs- und Mobilitätswende zugeschrieben: Als Baustein eines multimodalen Verkehrs- und Mobilitätssystems ermöglichen sie den Verkehrsteilnehmer/innen losgelöst vom privaten Pkw eine situationsbezogene flexible Verkehrsmittelwahl, so die Grundannahme. Multimodalität gilt gegenüber der vorherrschenden Automobilität als nachhaltig, weil der nicht-nachhaltige Pkw in multimodalen Verhaltensweisen seltener und für kürzere Distanzen genutzt wird. Beispielsweise werden E-Scooterdienste in kommunalen Verkehrs- und Mobilitätskonzepten immer wieder in einen Zusammenhang mit einer Verkehrs- und Mobilitätslösung im Feld der sog. „Ersten und Letzten Meile“ gestellt; also jene kurzen Abschnitte am Anfang oder am Ende eines Weges, die von Personen im Alltag als zu anstrengend oder aufwendig empfunden werden. Gerade in den weitläufigen Siedlungsgebieten Nordrhein-Westfalens sind die Wege zu den S- und U-Bahnhaltestellen mancherorts so lang, dass entweder der Bus oder das eigene Fahrrad genutzt werden muss (McQueen und Clifton, 2023).

Kritische Darstellung von E-Scootern

Projektziele und -aufbau

Das vorliegende Story Mapping nimmt sich dem Ziel der Versachlichung der kontroversen Diskussionen an und geht der Forschungsfrage nach, inwieweit E-Scooterdienste als Baustein für ein multimodales Nordrhein-Westfalen ernst genommen werden können? Dem Story Mapping liegt eine methodisch vielschichtige, umfangreiche Meta-Studie zugrunde, die im Zeitraum von 09/2023 bis 08/2025 vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV NRW) beauftragt und von der ILS Research gGmbH bearbeitet wurde. Die doppelte Zielsetzung beinhaltet:

Die im Nachfolgenden vorgestellten Inhalte stellen eine verkürzte, vereinfachte Aufbereitung der Ergebnisse aus der Meta-Studie dar, die in der Ausführlichkeit auch für national und international referierte Fachzeitschriften und Konferenzen aufbereitet wurden. Studien, die sich noch im Review-Verfahren befinden, werden nach und nach eingearbeitet. Da es sich um eine „Living Story Map“ handelt, werden neben ausstehenden Veröffentlichungen immer auch aktualisierte Ergebnisse zur Analyse von E-Scooterdiensten in das Story Mapping eingearbeitet.